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Entdecke die Geschichte

Entdecke den Ursprung der „aquae patavinae“ und die Geschichte der Landschaft des euganeischen Thermalgebietes...

 

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Das Mittelalter

Von der Langobardenzeit bis zum 2. Jahrhundert

Rocca di Monselice


Die Jahrhunderte nach dem gotischen Krieg (535 – 553) und der Eroberung durch die Langobarden (Ende 6. – Anfang 7. Jh. n. Chr.) sind von nur äußerst seltenen schriftlichen Quellen bezüglich der Euganeischen Hügel und Padua gezeichnet. Erst im 11. Jh. wird das Gebiet wieder in Dokumenten erwähnt. In diesem Zeitraum kann nur die Archäologie die Geschichte dieser Epoche beschreiben.
Die Gründung der Burg von Monselice geht auf die zweite Hälfte des 6. Jh. zurück und war wahrscheinlich Antwort der Byzantiner auf den Vormarsch der Langobarden. Aber die Eroberung der Stadt Padua, die 601 in den Händen von König Agilulf fiel, wird das Glück des Ortes bestimmen, der Padua in der politischen Hauptrolle in diesem Gebiet ersetzte. Während des Mittelalters besaß die Stadt Monselice einen eigenen Verwaltungsbezirk (iudiciaria oder comitatus), der vielleicht auch die Euganeischen Thermalquellen umfasste. Wenigstens teilweise waren sie wahrscheinlich einer öffentlichen Kontrolle unterworfen, so wie auch die großen Klöster der Zeit Interesse an ihrer Benutzung für Hilfs- und Wohltätigkeitzwecke hatten. Eine spätere Quelle benachrichtigt uns, dass ein Privatbürger in der zweiten Hälfte des 10. Jh. der großen Abtei von Farfa, Latium, eine Kirche in Abano überlassen habe. Zu dieser Kirche gehörte wahrscheinlich ein xenodochium, ein Hospiz, das Bedürftige und Kranke aufnahm, die die Thermen besuchten.
PWas das Gebiet des heutigen Montegrotto betrifft, auch wenn die schriftlichen Quellen nur gering sind, bezeigt aber die Archäologie die Vitalität der Siedlung zwischen dem achten und neunten Jahrhundert v. Chr., wie es von den Ausgrabungen in der archäologischen Zone von Via Neroniana in Montegrotto Terme bezeugt wird.scavi dell’area archeologica di via Neroniana.


Die Zeit um das Jahr Tausend

Während des 9. Jh. verbreitete sich eine allgemeine Unsicherheit als Folge der Kämpfe für die Kontrolle von Reichsitalien und der Überfälle der Ungarn, die 899 in der Poebene Panik hervorriefen und viele Städte, darunter Padua, zerstörten. Diese Ereignisse bildeten die Grundlage für den Wandlungsprozess, der als „Incastellamento“ (Aufbau befestigter Burgen) bekannt ist: zwischen dem 9. und 10. Jh. vermehrten sich die Burgen, befestigte Bauten, die zugleich Wohnsitz der lokalen Herrscher, Anhaltspunkt für die Landbevölkerung und militärische Stützpunkte für die Kontrolle des Territoriums waren..
Auf das Jahr 985 geht die erste Erwähnung einer Burg in Arquà zurück; die Burg von „Castelnovo“ oder Castelnuovo (d.h. Neuburg) – ein Ortsname, der schon von selbst spricht und die Gegenwart einer Burg angibt – befand sich auf dem gleichnamigen Hügel in der Nähe von Teolo. Die Burg wird schon im Jahr 1016 unter den Besitzen der Maltraverso, Grafen von Padua und Vicenza genannt, die auch die Gerichtsgewalt auf die Burgen von Selvazzano und Lozzo hatten. Die Maltaverso besaßen außer den Besitzen in Teolo und Villa auch viele weitere Landgüter im Gebiet der Euganeischen Hügel, wie in Valnogaredo, Rovolon, Carbonara, Montemerlo, Torreglia, Luvigliano, Montegrotto.

Monselice, Castelnuovo und Praglia

Die Burg von Rocca Pendice wurde während des 11. Jh. auf bischöflicher Anregung auf dem gleichen Hügel erbaut, wo sich die Burg von Castelnuovo befand, die aber älter zu sein scheint. Nur wenig später, im Jahre 1107 gründete Uberto, Maltraverso de Montebello genannt, Legat des Bischofs von Padua Sinibaldo, die Abtei von Praglia.
In den ältesten mittelalterlichen Urkunden (von 1027 bis 1189), erscheint was dem heutigen Montegrotto entspricht als eine Ansammlung von Siedlungen. Im 12. Jh. befand sich auf dem Monte Castello (Schlossberg) – wieder eine bedeutungsvolle Bezeichnung – das „Castello di Montagnon“; zu diesem gehörte die Pieve von San Pietro, die sich am Fuße des angrenzenden Hügels befand. Deswegen wurde er später Colle di San Pietro Montagnon genannt. Von da an wird „San Pietro Montagnon“ der Ortsname sein, der während des ganzen Mittelalters den Namen dem Gebiet gibt, das zum größten Teil mit dem heutigen Montegrotto Terme übereinstimmt. Der Name „Burg von Montagnon“ ist zum ersten Mal im Jahre 1100 in urkundlichen Belegen nachgewiesen, aber man glaubt, dass er schon älter ist; jedenfalls war die Burg Eigentum von Rainerio de Montagnone, Exponenten einer würdigen Familie, die mit den Grafen Maltraversi von Castelnuovo verknüpft waren. Den Herren von Montagnon ist auch die Gründung des nahen Klosters von San Daniele zuzuschreiben; sie behielten seine Gerichtsgewalt, auch nachdem es im Jahre 1188 Besitz des Klosters von Nonantola wurde. Auf jeden Fall verblieben die Da Montagnon während des ganzen 12. Jahrhunderts die wichtigsten Feudalherren dieses Gebietes, wie man von urkundlichen Belegen erfahren kann, die bezeugen, dass sie den Zehnten in verschieden Ortschaften der Zone einnahmen, wie „Vignale“, „Bracalo“, „Levada“, „Spessas“, „Cazago“ und „Montealto“.

Vista della Torre di Berta dal colle di Villa Draghi

Die mittelalterlichen Urkunden beschreiben für das Gebiet des heutigen Montegrotto auch weitere Gebäude, wie die Kirche von Sant’Eliseo, die von dem Bischof von Padua abhängig und mit einem Thermalbad verbunden war, den Hügel von San Mauro (später Colle Bortolone genannt) und Hügel von Castiglione, auf dem eine Burg stand, die aber schon im Jahre 1156 verlassen war.
Nach der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind mehrere Ansiedlungen auch in anderen Gegenden des euganeischen Thermalgebietes dokumentiert, wie die Siedlung von Villaranza und die von Villatorta, eine motta (eine künstliche Erhöhung), wo sich eine domus (Haus) mit Turm, ein Sumpf und ein Bad befanden und zahlreiche auf dem Land verstreute Gebäude.
All diese Urkunden geben uns ein Bild einer mittelalterlichen Landschaft mit vielen wichtigen Stätten (Festungen, Thermalbäder, Kultstätten), die in einen landwirtschaftlichen Kontext eingefügt waren, mit einer Toponomastik, die Bezug auf morphologische und bodenkundliche Eigenschaften („Montealto“, „Montaleo“, „Vallada“, „Rodula“, „Calcaria“, „Crearium“), auf Ackerbau („Vignale“, „Vignà“, „Pratolongo“), auf Waldgebiete (“a Buscaleis“, „Buschis Planis“) nahm.
Man kann also von alledem schließen, dass in den ersten Jahrhunderten nach dem Jahr Tausend die Herren- und Klostermächte zur Neugestaltung der Hügellandschaft beitrugen, die von einem immer größeren Landanbau gezeichnet wurde. Hauptsächlich ergänzte sich der Weinanbau mit dem Getreideanbau der Ebene um Padua. Für die Einwohner der Stadt waren die Hügel eine Welt für sich, mit genau bestimmten wirtschaftlichen und Umwelteigenschaften. Oft wurden sie monti (Berge) genannt und waren in den schriftlichen Unterlagen mit den Namen Pedevenda erwähnt, während sich der Name Colli Euganei nur ab dem 14. Jh. unter dem Einfluss der gebildeten Paduaner verbreitete.

Rocca Pendice, Monte Castello, San Pietro und San Daniele

Die Venezianische Zeit (15. – 18. Jh.)

Stemma dei Carraresi lungo il sentiero che porta al Castello di Rocca Pendice

Zuerst als Bollwerk gegen Vicenza und Este ziehen die Hügel die Aufmerksamkeit zuerst der Kommune von Padua und dann der Signoria (Signorie) der Carraresi nicht nur wegen der Ausnutzung des Landbaus und der Viehzucht sondern auch wegen der Verwaltung ihrer Thermalquellen an. Die schriftlichen Quellen geben uns das Bild eines mit mehr oder weniger strukturierten Bädern und Schwitzgrotten bedeckten Gebietes, das eine immer größere Anzahl von Besuchern verschiedener Herkunft anzieht. Die Kommunalstatute regeln den „Touristenzulauf“ und stellen auch Regeln fest für die Wartung der Anlagen, deren periodische Reinigung Aufgabe der lokalen Gemeinschaften war.
Gegen Ende des Mittelalters sind die Euganeischen Thermen nicht nur wegen der Heilkraft ihres Wassers bekannt, sondern auch als Erholungs- und Unterhaltungsort und beginnt sich eine wahre „Hotelindustrie“ zu entwickeln. Nach der Besitznahme im Jahre 1405 von Padua und des Hügelgebietes fördert und unterstützt die Serenissima Repubblica von Venedig den Thermaltourismus, dem eine immer beträchtlichere Anzahl von Besuchern transalpiner, vor allem deutscher Herkunft beitrug. Ein am 21. März 1488 datierter Vertrag bietet ein klares und lebhaftes Bild der Stimmung in Abano und Montegrotto dar: ein Abgesandter von Ercole d’Este setzt sich mit einem Hotelbesitzer in Verbindung, um seinem Herrscher und seinem zahlreichen Gefolge all die Bequemlichkeiten und Diskretion zu gewähren, die einem Gast von solchem Rang gehören. Der Herzog von Ferrara wollte nämlich Abano besichtigen, um die Hitze des späten Frühlings zu meiden, die Frische der Hügel zu genießen und das Frühobst und das Gemüse der Hügel zu kosten.